Literaturfest Salzburg
Lesung am 29.5.2011
Literaturfest Salzburg. Die Kraft der Sprache mitten in der Stadt
Anton Thuswaldner Salzburg (SN). Am Sonntag ist die Stimmung gelöst. Von Mittwoch bis Sonntag traten Autorinnen und Autoren der unterschiedlichsten Schreibhaltungen auf, es gab Kinder- und Jugendprogramme, Diskussionen und ein bisschen Theorie – alles zum Zweck, der neuesten deutschen Literatur eine Bühne zu verschaffen. 2500 Besucher kamen. Das Budget betrug 115.000 Euro. Sicher ist, dass im nächsten Jahr das fünfte Literaturfest stattfinden wird.Die Leute kommen, um die unterschiedlichsten Ausformungen zeitgenössischer Literatur zu hören. Sie lassen sich nicht schrecken von Autorinnen und Autoren, denen der Ruf vorauseilt, dass sie schwierig seien. Das Publikum nimmt sich auch am Sonntagvormittag Zeit, um drei Lyrikern zuzuhören, die für Ablenkung nicht zu haben sind.
Das wurde einem klar, als Susanne Stephan auftrat. Sie hat ihren eigenen Kopf. In dem sammeln sich Fundstücke aus der Vergangenheit an, die mit der übertechnisierten Gegenwart auf Tuchfühlung gehen. Höhlenmalereien haben etwas zu tun mit dem Hier und Heute. Stephan entdeckt den Wilden in uns und den Zivilisierten im Steinzeitmenschen, doch, wir passen ganz gut zusammen. Mit Sprachenergie schafft sie es locker, aus zwei eins zu machen. Das Verbindende ist die Kunst, ein Medium, das mindestens so viel verrätselt wie erhellt.
Da kann Harald Hartung, eine der dauerhaften Stimmen der Lyrik, mithalten. Bei ihm hat man den Eindruck, dass er immer schon da war. Durch seine Essays hat man Lyrik lesen gelernt, seine Kritiken haben auf wichtige Stimmen aufmerksam gemacht und seine eigenen Gedichte haben einen schon durch die Schulzeit geleitet. Jetzt steht er plötzlich vor einem, und mit kräftiger Stimme führt er ein in seine ganz persönliche Welt. Seine Vergangenheit ist die, die seine eigene Erinnerung abdecken kann. Er verlässt sich auf sein Ich, das ihn – wenn nicht immer vernunftgeleitet, dann jedenfalls traumwandlerisch – durch die Zeiten geleitet. Er, Jahrgang 1932, gehört einer Generation an, die aus dem Krieg kommend der Lyrik bedurfte, um der Welt Sinn einzuhauchen. Er neigt dazu, einem Gedicht eine Sentenz, eine kleine Wahrheit abzuringen. Aufdringlich macht er das nicht, mit dem Gestus der Beiläufigkeit eher. Man kann das annehmen, muss aber nicht.
Ulrike Almut Sandig muss man sich als einen gewissenhaften Menschen vorstellen. Schon klar, eine Lyrikerin muss so sein, sonst wird ihr Werk ja beliebig. Sie aber führt einen vehementen Kampf gegen das Verschwinden, das Vergessen, das große Abtauchen. Indem sie Bilanz zieht über unsere Verluste, benennt sie sie noch einmal und rettet sie damit ins Wort. Das könnte ganz schön verkrampft aussehen, wenn das nicht jemand mit solcher Eleganz wie Sandig angehen würde. Sie ist eine beständige Kämpferin, nicht aggressiv, aber nach außen gewandt. Das ist richtig gut!
Kultur / 30.05.2011
30.05.2011 / www.buecher.at
Salzburger Literaturfest: Stimmungsvoller
Abschluss
Mit der Lyrischen Matinee am Sonntag ging auch in diesem Jahr das Literaturfest Salzburg stimmungsvoll zu Ende: Susanne Stephan, Harald Hartung und Ulrike Almut Sandig stellten begleitet vom Bassklarinettisten Fritz Kronthaler in der Edmundsburg ihre Gedichte vor.